Silvestertreffen 2016 auf dem Müllberg

Ihr könnt überall bauen, nur nicht bei uns.

Trotz trüber Aussichten trafen sich am 31. Dezember 2016 bemerkenswert viele Menschen auf dem Müllberg beim Hummelsee in der Hummelsbütteler Feldmark. Anlass war das alljährliche “Gipfeltreffen” auf dem Müllberg, das die SPD Alstertal seit vielen Jahren ausrichtet.

Es gibt Berliner, Sekt für groß und klein – und die Möglichkeit, den “Zweiten Mann” hinter Olaf Scholz, Andreas Dressel, zu sprechen und sein Anliegen vorzutragen.

In stattlicher Zahl waren all die besorgten Bürger erschienen, die sich um um die Frischluftzufuhr für die Bürger Hamburgs sorgen. Kleine Aufkleber an Mänteln und Jacken wiesen sie als Verteidiger der Klima-Achse aus. Durch die geplanten Baumaßnahmen in der Feldmark werde diese zerstört – und alle Hamburger müssen ersticken.

Das ist ein bisschen überspitzt. Allerdings erwiesen sich viele Demonstranten als Glaubenskrieger. Hinweise auf die seit Jahren vorliegenden Einschränkungen der “Klima-Achse” wurden z. B. mit dem Hinweis beantwortet, dass es schon jetzt in der Stadt 2°C wärmer sei als in Hummelsbüttel.

Das ist ebenso richtig wie trivial. Wo immer es Bebauung, Parkplätze oder Flächen ohne Vegetation gibt, sind die Temperaturen höher als z.B. im Wald.

Aber es ging vor allem darum, dem Fraktionsvorsitzenden der SPD in der Hamburgischen Bürgerschaft, seinen Willen kundzutun, das mit dem Bau des eigenen Hauses genug Landschaft vernichtet worden ist und darum der geplante Wohnungsbau des Teufels sei.

Gartenzaunpolitik…

SPD-Gipfeltreffen in der Hummelsbütteler Wir woll'n auch klagen

Wir woll’n auch klagen!

Andreas Dressel sprach mit einigen Besuchern und Demonstranten und richtet für ein kurzes Statement das Wort an die Versammelten.

Erfreulich war, dass die Demonstranten Andreas Dressel nicht beschimpft oder ausgebuht haben und auf Trillerpfeifen und ähnliche Störgeräusche verzichteten.

Von Gruppen und Sektierern

Ein besondere Rolle spielt eine kleine Splittergruppe (HLKV – Ein guter Tage für Hamburg”, die sich von den “etablierten” Naturschützern verraten fühlt und sich jetzt darum bemüht, für die Menschen klagen zu dürfen, die von den Maßnahmen nicht betroffen sind. Man nennt das “Verbandsklagerecht” und ist in der vorgetragenen Begründung ein bisschen absurd.

SPD-Silvestertreffen in der Hummelsbütteler Feldmark Andreas Dressel

SPD-Gipfeltreffen in der Hummelsbütteler Feldmark Andreas Dressel

Marxisten-Leninisten im Rathaus?

Der “Verein zum Erhalt der Feldmark” verteilt eine Presseerklärung, die den Berichterstatter ratlos macht: “Hamburg betreibt nach leninistisch-marxististischem Vorbild derzeit stumpf die reine Plansollerfüllung der Wohnbauzahlen.” So spricht der Vorstand des Vereins. Richtig müsste es, wenn man schon entschlossen ist, das eigene Anliegen in abseitigen Gefilden auf Grund zu setzen, Planerfüllung.

So hieß das damals in der DDR.

Und auch der Rest des Satzes ist so verquer wie die pauschale Ablehnung der Senatsargumente. Mit einem “bei den” statt “der” Wohnbauzahlen hätte der Vorstand seinen Text wenigstens semantisch um die Klippen geführt. Dass Lenin nach Marx ins Weltgeschehen eingriff und sich das in der Formel “marxistisch-leninistisch” ausdrückte, sei hier nur am Rande angemerkt.

Selten habe ich in einem einzigen Satz in einer Presserklärung so viel Unsinn gelesen. Sehr pauschal und unbegründet versucht der Vorstand ein Gutachten zu diskreditieren, das die Auswirkungen der Bebauungen auf die Gegebenheiten der Feldmark untersucht. Das Gutachten, auf das sich der Verein zur Abwehr von Neubauten beruft, war ja nicht tragfähig, weil es sich leider nur auf den Stadtpark bezog und die meteorologische Bedeutung der Hummelsbütteler Feldmark nur in einem Nebensatz abhandelte.

Das kritisierte Gutachten – hier finden Sie den passenden Link – setzt auf die gleiche Methode wie das erste Gutachten. Allerdings untersucht der Gutachter eben die Hummelsbütteler Feldmarkt und nicht den Stadtpark.

Schade, dass der Vorstand weder das eine noch das andere Gutachten nicht gelesen hat.