Das Schwedische Königspaar in Hamburg

Königlicher Besuch in Hamburg das schwedische Königspaar Carl XVI Gustaf und seine Frau Königin Silvia trägt royalen Glanz in das republikanische Rathaus. In den Adern des schwedischen Königs fließt auch noch das Blut der unerschrockenen Nordmänner: er reiste mit seiner Entourage per Bahn nach Hamburg.

Das Glück blieb dem royalen Paar hold: der Zug kam pünktlich mit allen Wagons am Bahnhof Dammtor an. Es ist der Bahnhof, in dem sich seinerzeit Kaiser Wilhelm II ein Zimmer einrichten ließ, um die Bahnverbindung von Hamburg nach Altona mit imperialen Gehabe einzuweihen.

Von majestetischem Glanze kann bei der Ankunft von Carl XVI Gustaf keine Rede sein. Es nieselt novemberlich und ein ungemütlicher Wind drückt die Tropfen auch durch Funktionsjacken.

Die Fahrt zum Rathaus absolvieren König und Königin in einer standesgemäßen Edelkarosse. Die Motorradstaffel der Hamburger Polizei bahnt dem Tross ein sicheres Geleit zum Rathaus – ohne Staus und rote Ampeln. Auch ein Rettungswagen fährt am Schluß der Kolonne. Geht’s dem König nicht gut?

Königliche Volksferne

Der republikanische Hamburger ist erstaunt, wie viele Mitbürger zum Rathaus geeilt sind. Leider leuchtet der monarchische Glanz nicht lange, um das fiese Nieselwetter zu vertreiben. Königin Silvia nimmt artig ein paar Blumen entgegen und bemerkt auch die hübschen Trachten. Für ein Bad in der Menge ist es ihr aber doch zu windig und zu nass. Sie eilt die Rathaustreppe hinauf, an deren Ende (dem sogenannten Spiegel) sie der Gastgeber, König Olaf I Scholz, erwartet. Im wirklichen Leben ist Olaf Scholz Erster Bürgermeister der ältesten noch bestehenden Stadtrepublik Europas und gar nicht begeistert, wenn auf sein royalen Regierungsgebaren abgehoben wird.

Nur 5 Stunden sind Carl XVI Gustaf und Königin Silvia in der Hansestadt. In dieser Zeit tragen sie sich in das Goldene Buch ein (unter dem Rubrum Carl XVII, aber dieser protokollarische Faux Pas wird wohl keine diplomatischen Verwicklungen nach sich ziehen), nehmen in der ersten Runde ein Senatsfrühstück ein und nehmen an einer Tagung in der Handelskammer teil.

Die zweite Runde – die Zeit läuft! findet in der Hafencity, genauer in der Elbphilharmonie, statt. Anders als der Flughafen BER ist die Elbphilharmonie schon benutzbar und vorzeigbar. Die Symphoniker gaben zu Ehren von Carl XVI Gustaf und Silvia ein Privatkonzert mit – nun ja Mozart geht immer.

Auch hier legte das Königspaar großen Wert auf journalistische Abstinenz.

50 oder 60 Journalisten standen darum auf der Laderampe vor einem Lastfahrstuhl und warteten. Fortwährend baggerte der Lastenfahrstuhl Musiker mit ihren Instrumenten nach oben. Aber der royale Wunsch ist dem republikanischen Gastgeber Befehl. Und so blieb die Plaza journalistenfrei. Einzige Abwechselung für die Berichterstatter war der missglückte Versuch von Bauhandwerkern, in dem Gewusel der schreibenden und fotografierenden Zunft einen langen Kran von der Laderampe herunterzuheben.

Warten auf das schwedische Königspaar

Das Ding krachte unter Lärm- und Staubentwicklung unkontrolliert nach unten, nicht ohne vorher noch an der Statik des Gebäudes zu knabbern. Eilig wuselten wichtig behelmte Männer heran und fotografierten die Schäden an Pfeiler und Wand. Gute Nachricht: der Eröffnungstermin ist nicht gefährdet.

Das Privatkonzert dauerte und dauerte – und so entspann sich manch anregendes Gespräch zwischen den sonst eher ruppigen Fotografen und den schöngeistigen Kolleginnen der Gesellschafts- und Klatschpresse.

Wenn Journalisten etwas nicht fahren lassen, dann ist es die Hoffnung. Und so harrten alle aus, bis sich die Schleusen öffneten und der Pulk eilenden Schrittes über die menschenleere Plaza der Elbphilharmonie zu den vier Mikrofonen hetzte, die wohl bald mit salbungsvollen Worte von majestätischer Wichtigkeit gesprochen würden. Die Protokollchefin erkundigt sich nach Fragen und gibt Anweisungen, wie man Könige anspricht. Ein „Moin Königsch“ ist nicht ganz richtig. Ein Hofknick wird aber nicht erwartet.

Es erscheint: das schwedische Königspaar!

Aus der Tiefe der Plaza taucht die royale Entourage auf. Ein älterer Herr kommt zögernd mit unsicherem Gang um den Treppenaufgang. Seine Brille ist fern aller Mode, besorgt wendet er seinen Blick nach hinten.

Das also ist der König, einer, der den richtigen Zeitpunkt für den Ruhestand verpasst hat. Da muss er jetzt durch!

Das schwedische Königspaar König Carl XVI Gustaf und Königin Silvia

Das schwedische Königspaar König Carl XVI Gustaf und Königin Silvia

Hinter ihm schreitet eine in marienblau gekleidete Königin, der königliche Gemahl wendet sein sorgenvoll zerfurchtes Gesicht dem Unvermeitlichen zu: dem Journalistenpulk.

König Carl XVI Gustaf von Schweden und Königin Silvia nehmen huldvoll die verabredeten Fragen entgegenzunehmen. Auf die Frage, wie es ihr in Hamburg gefalle, antwortet Königin Silvia mit einem Statement aus dem Baukasten. Höflich gratuliert sie den Hamburgern zur Elbphilharmonie. Dieser Konzertsaal sei, so parlierte sie auf deutsch, ein Juwel.

Das wird wohl dann so stimmen, von Juwelen verstehen Königinnen etwas.

Der schwedische Minister für Wirtschaft und Innovation Mikael Damberg stand rum wie Falschgeld und ignorierte mit seinem offenen Jackett und dem schlacksigen Schlips den erlauchten Dresscode. König Carl XVI Gustaf faltete die Hände und schien himmlischen Beistand anzufordern.

Dabei waren die Fragen nicht schwierig. Auch der König beantwortete eine Frage in gutem Englisch. Der Gastgeber Olaf Scholz tat es ihm gleich.

Nach knapp 8 Minuten entschwanden die Schwedenhappen zur Wagenkolonne. Bis alles verstaut und gerichtet war – man flog per Hubschrauber nach Berlin, pferchte man die Journalisten wieder auf der Laderampe zusammen.

Ob eine Allergie gegen Journalisten heilbar ist?